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Der Garten und seine Düngung

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Hausgarten

Ein Hausgarten mit Rasen, Blumen, Obst, Beerensträuchern und Gemüse kann ein schönes Hobby sein. Die Pflanzen begleiten uns das Jahr über, man freut sich über ihr Gedeihen und leidet mit ihnen bei Trockenheit, Nässe oder Kälte. Es lohnt sich, einmal über die Entstehung und die Fruchtbarkeit dieses kleinen Flecken in der Natur nachzudenken.

 

Landschaft

Die Landschaft,  wie wir sie heute vorfinden, ist das Ergebnis der geologischen Entstehung (Gebirgsbildung, Eiszeiten, Vulkane, Flüsse, usw.) und der menschlichen Nutzung ( Wald, Ackerbau, Grünland, Besiedlung).

Boden

Unter Boden versteht man die oberste, von Pflanzen bewohnte Verwitterungsschicht der festen Erdrinde. Vom Ausgangsgestein unterscheidet sich der Boden chemisch nur wenig. Es kommen aber  zwei wichtige Komponenten hinzu, die organische Substanz (Humus)und in deren Gefolge die Kleinlebewesen. Der Boden enthält Luft und Wasser in sehr unterschiedlichem Maße. Je nach Größe der Bodenteilchen (Korngrößen) ist er locker oder fest gelagert, speichert er Wasser und Nährstoffe oder verliert diese in den Untergrund oder durch Abschwemmung. Böden weisen unterschiedliche Eigenschaften auf, die letztlich die Ertragsfähigkeit bestimmen. Man denke beispielsweise  an Sandböden oder an milde Lehme, an flachgründige oder tiefgründige Böden, an lockere oder staunasse Böden.
Die Eigenschaften des Bodens haben sich in langen Zeiträumen entwickelt und sind durch die Menschen in begrenztem Maße verändert worden. Fruchtbare Böden waren seit jeher Orte der ersten menschlichen Siedlungen (Mesopotamien, Nildelta, China). Erst durch den Ackerbau konnten Vorräte geschaffen  und durch Arbeitsteilung das Jäger- und Sammlerleben aufgegeben werden. Auch in unseren Breiten läßt sich eine solche Entwicklung nachweisen. Fruchtbare Ebenen oder Talauen wurden schon früh genutzt. Die Zunahme der Bevölkerung zwang später zur Nutzung wenig günstiger Flächen, zur Rodung und Kultivierung.
Neben Wasser, Luft und Temperatur spielen die Nährstoffe des Bodens für das Gedeihen der Pflanzen eine entscheidende Rolle. Ihr Vorkommen hängt  von dem Ausgangsmaterial (Gestein) ab, sodann aber von der Nutzung, also der Vegetation. Zufuhr durch Niederschläge, in geringen Mengen z. B. Stickstoff oder Schwefel, stehen Verluste durch Auswaschung, Abschwemmung oder Denitrifikation gegenüber.
In der Praxis wird der Nährstoffgehalt wesentlich vom Nährstoffentzug durch die Kulturen einerseits und die Nährstoffzufuhr durch die Düngung andererseits bestimmt.
Ein wichtiger Faktor ist die Bodenreaktion, der Säuregrad oder verkürzt gesprochen der Kalkhaushalt. Zwischen einem Sandboden und einem Lößboden liegen große Unterschiede. Der neutrale Bereich ist zwar für viele Pflanzen und für die Bodengare optimal, jedoch längst nicht überall gegeben. Je nach Entstehungsgeschichte sind viele Böden leicht sauer oder neutral, wenige auch alkalisch. Man sollte diesen Zustand kennen, was durch eine Untersuchung in einer landwirtschaftlichen Untersuchungsanstalt leicht erreicht werden kann. Diese teilt die Bestimmung des Reaktionsgrades in pH-Werten mit (pH 7 gilt als neutral)  und macht Vorschläge hinsichtlich Kalkbedarf.
Man darf nicht vergessen, daß durch die Niederschläge alljährlich gewisse Mengen an Calcium und anderen basischen Elementen ausgewaschen werden; sofern man diese Verluste nicht ersetzt, tritt zwangsläufig eine allmähliche Versauerung ein  Deren Ausmaß hängt von der Bodenbeschaffenheit, der Nutzung des Bodens und der Höhe der Niederschläge ab. Das gilt im Prinzip auch für den Wald.

Gartenboden

Über den Ackerboden kann sich der Fachmann auf Grund der regionalen Gegebenheiten rasch ein grobes Bild machen, was seinen Niederschlag sogar in einem amtlichen Bodenschätzungsrahmen gefunden hat. Der Begriff Gartenboden taugt dagegen nur für eine lokale Bestimmung. Die Ausgangsbedingungen werden zwar in der Regel noch bestimmend für seine Eigenschaften sein - d.h. tonige, staunasse oder steinige Böden werden ihren Charakter behalten -  doch im Lauf der Zeit haben die Eingriffe des Menschen andere Eigenschaften des Bodens verändert. Das geschah außer der unterschiedlichen Nutzung vor allem durch starke Humuszufuhr und organische Düngung (Stallmist). Der jeweilige Standort wurde fruchtbarer, weist aber örtlich auch Mangel an bestimmten Nährstoffen auf, da dem Hobbygärtner die Kenntnisse fehlen, zumal auf kleinen Flächen Untersuchungen schwierig und teuer sind. Für Hochbeete und andere Formen gilt das sinngemäß.

Mikroklima

Klima und Witterung sind mitentscheidende Bedingungen für das Gedeihen der Pflanzen, wie  Hinweise auf Höhenlage, Sonnenscheindauer, Jahrestemperatur oder Niederschlagsmenge zeigen. Dabei ist zu beachten, daß die örtliche Lage des Gartens  vom regionalen Durchschnitt abweichen kann (Windschutz, Sonneneinstrahlung).Die Ansprüche der Pflanzen weisen extreme Unterschiede auf, denen Bodenbearbeitung, Düngung und Bewässerung gerecht werden müssen. Das gilt für Blumen, Sträucher und Obst genau so wie für Gemüse.

Wachstumsfaktoren

Die Pflanzen benötigen zum Wachstum Licht (Energie) und Wärme; aus der Luft erlangen sie Sauerstoff und Kohlendioxid, aus dem Boden Wasser und weitere für sie lebensnotwendigen Stoffe, vor allem Nährelemente.
Die Pflanzen nehmen Nährstoffe in flüssiger oder gasförmiger Form  mit den Blättern (Kohlendioxid, Sauerstoff, Wasser und darin gelöste Stoffe) oder mit den Wurzeln aus dem Boden (Wasser, Sauerstoff, mineralische und organisch gelöste Stoffe) auf.
Unter einem Pflanzennährstoff versteht man einen Stoff, der unentbehrlich ist für das Wachstum der Pflanze und der durch keinen anderen Stoff ersetzt werden kann. Ein Mangel führt zu Ernährungsstörungen. Man hält heute etwa 14 Elemente für notwendig.
Außer Wasserstoff, Sauerstoff und Kohlenstoff stammen die Nährstoffe aus dem Mineralbestand des Bodens. Im Unterschied zum tierischen Organismus nimmt die Pflanze die Nährstoffe in anorganischer Form auf.

Bezogen auf den Bedarf der Pflanzen spricht man von

Hauptnährstoffe

Stickstoff gilt als wichtigster Nährstoff, da er wesentlicher Baustein für die Eiweißstoffe in der Pflanze ist. Der Bedarf an Stickstoff ist höher als bei anderen Nährelementen. Seine gezielte Anwendung führt zu befriedigenden Erträgen und guter Qualität. Ein Mangel zeigt sich an hellgrünen, gelben Blättern und kleinerem Wuchs, ein Überschuß an schwachem Gewebe, Lagerungsneigung und Anfälligkeit für Krankheiten, ggf. auch an höheren Nitratgehalten.
Der Stickstoff wird von der Pflanze in mineralischer Form aufgenommen (Nitrat, Ammonium). Im Boden ist der Stickstoff überwiegend organisch gebunden, d.h. in der in Verrottung befindlichen organischen Substanz pflanzlicher oder tierischer Herkunft bzw. im Humus. Durch mikrobiellen Abbau wird er mineralisiert, in mehreren Stufen letztlich in Nitrat übergeführt. Dieser Vorgang ist wird  von Bodentemperatur, Feuchtigkeit und der Bodengare beeinflußt. Wird das Nitrat nicht von den Pflanzen aufgenommen, besteht -  besonders auf leichten Böden - die Gefahr der Auswaschung. Der hohe Stickstoffgehalt der Luft ist für die Pflanzen nicht direkt zugänglich. Neben technologischen Prozessen bei der Düngerherstellung ist die biologische Stickstoffbindung insbesondere durch Leguminosen von Bedeutung.
Phosphor ist für den Stoffwechsel und das Wachstum - ähnlich wie bei Mensch und Tier-  unentbehrlich, bei den Pflanzen bis hin zur Reife. Der Boden enthält von Natur aus wenig Phosphat; ein Mangel führt zu phosphatarmen Früchten und kleineren Ernten. Bei starker Düngung kann auch eine P-Anreicherung erfolgt sein, was bei vielen Hausgärten der Fall ist. Phosphor wird im Boden festgelegt und ist je nach Bodenbeschaffenheit und Säurezustand schwer löslich und daher oft nicht löslich verfügbar.
Kalium kommt in beachtlichen Mengen in der Pflanzenmasse vor. Der Gehalt im Boden hängt von dessen Entstehung ab. Ton - und Lößböden enthalten mehr, Sandböden weniger Kali. Auf leichteren Böden wird Kali rasch ausgewaschen.

Sekundärnährstoffe

Calcium ist ein bedeutendes Bauelement der Pflanze. Es ist im Boden beweglich und wird je nach Bodenart und Niederschlagshöhe in beachtlichen Mengen ausgewaschen. Die Entzugsmengen der Pflanzen sind dagegen geringer. Eine Kalkdüngung dient dem Ersatz der Auswaschungsverluste, um eine Versauerung aufzuhalten und den Bodenzustand und das Bodenleben zu fördern.
Magnesium ist in seiner Bedeutung als Pflanzennährstoff lange etwas verkannt worden; viele Böden wiesen Magnesiummangel auf. Das galt auch für die Gärten. Inzwischen werden zahlreiche magnesiumhaltige Düngemittel angeboten. Nunmehr wird nicht nur in der Pflanzenernährung sondern auch in der Medizin Magnesium stärker gewürdigt.
Natrium spielt eine geringere Rolle, es kann aber bei natrophilen Pflanzen wie Sellerie zu Ertragssteigerungen führen.
Schwefel
ist zwar ein wichtiger Nährstoff, doch ist bisher nur regional Schwefelmangel aufgetreten. Immissionen sorgten für Schwefelzufuhr aus der Luft. Das wird sich durch bessere Filter ändern. Es gibt jedoch genügend schwefelhaltige Düngemittel.

Spurennährstoffe

Ein Mangel wird im Garten relativ selten zu beobachten sein, ist aber nicht auszuschließen. Er wird sich in der Regel bei bestimmten Kulturen bemerkbar machen, z. B. Bormangel bei Sellerie. Dem Kleingärtner hilft hier nur ein Kontakt mit einem Fachberater.

Die Ansprüche der Pflanzen
an die Versorgung mit Nährstoffen sind extrem verschieden. Zwischen einem Steingarten und einem Gemüsegarten liegen Welten, ebenso zwischen einer Obstplantage und Ziersträuchern. Dieses Bild wird noch schärfer, wenn man sich die einzelnen Gemüsearten anschaut. Es kann somit kein allgemeingültiges Düngungsrezept geben.

Humus, organische Substanz

Organische Stoffe (Pflanzenreste, Wurzeln, Laub, Dung, Kompost, usw.) werden im Boden teilweise rasch mineralisiert, ein anderer Teil  wird humifiziert und erst später mineralisiert.
Häufige Bodenbearbeitung fördert die Umwandlung in anorganische Stoffe. Während Ackerböden meist einen gleichbleibenden Humusgehalt aufweisen, ist mancher Gartenboden durch langjährige Zufuhr von Stallmist oder anderen organischen Stoffen stärker mit Humus  angereichert worden. Die Zufuhr organischer Stoffe, z. B. durch Ernterückstände, Gründüngung, Stallmist, Torf, Rindenhumus oder Kompost steigert den Humusgehalt des Bodens.  Bei Torf und Rindenhumus ist auf die speziellen Eigenschaften dieser Stoffe hinsichtlich der Bodenreaktion bzw. Stickstoffbindung zu achten. Ein eigener Kompost erscheint in dieser Hinsicht ideal.

Kompost

Ein Komposthaufen gehört in jeden Nutzgarten. So werden alle pflanzlichen Abfälle aus Haus und Garten einer sinnvollen Verwertung zugeführt. Eine schattige Ecke findet sich immer. Zweimal im Jahr umsetzen, im Sommer nicht austrocknen lassen und bei Beschicken auf eine gute Mischung achten; keinesfalls große Mengen Grasschnitt in einer Gabe einbringen, da sonst Fäulnis und Schimmelbildung einsetzt. Bewährt hat sich die Hilfe von Kompostwürmern.  In einem Jahr verwandeln sie die Abfälle in gute Komposterde. Die Würmer bleiben erhalten, wenn man sie nicht hungern läßt. (Die Vorfahren meiner Würmer kamen vor über fünfzig Jahren aus dem Bestand des Klosters Gerleve in Westfalen, wo Pater Augustin sie zur Stallmistvererdung einsetzte.) Der Kompost wird im Herbst auf den Gemüsebeeten verteilt und untergegraben, damit die gesamte Krume im Lauf der Jahre angereichert wird. Man kann ihn auch zum Abdecken benutzen.

Düngemittel

Düngemittel enthalten als wesentliche Bestandteile einen oder mehrere Pflanzennährstoffe. Zu den ersten Düngemitteln – von Flußschlämmen und Fäkalien abgesehen – gehörten zweifellos die Abgänge der Tierhaltung und die Ernterückstände. Diese reichten aber bei weitem nicht aus um die entstehenden Nährstoffverluste,  insbesondere durch die Vermarktung der Ernten, zu ersetzen.  Mitte des 19.Jahrhunderts begann daher die Herstellung von Handelsdüngern; damit konnte nach und nach eine wichtige Voraussetzung für die ausreichende Versorgung mit Nahrungsmitteln geschaffen werden.
Organische Handelsdünger werden aus tierischen und pflanzlichen Abfällen hergestellt und enthalten organisch gebundenen Stickstoff  oder Phosphat. Beispiele dafür sind Blutmehl, Rizinusschrot, Federabfälle, Fischabfälle, Hornmehl, Knochenmehl. Da der Stickstoffgehalt oft recht niedrig ist, setzen manche Hersteller Harnstoffkondensate zu.
Werden Phosphatdünger oder Kalisalze zugemischt, spricht man von organisch –mineralischen Düngemitteln. Bei der Bewertung dieser Düngemittel ist auf den angegebenen Nährstoffgehalt zu achten und zu berücksichtigen, daß der organisch gebundene Stickstoff im Boden erst mineralisiert werden muß, bevor ihn die Pflanze als Nitrat aufnehmen kann.
Mineraldünger teilt man ein nach Nährstoffen, z. B. Stickstoffdünger, Phosphatdünger, Kalidünger, sowie nach Ein- oder Mehrnährstoffdüngern. Sie werden hergestellt durch Stickstoffgewinnung aus der Luft, Aufschluß von Rohphosphaten und Aufbereitung von Kalirohsalzen.
Bei den Stickstoffdüngern ist die Nährstofform wichtig; davon hängt die Wirkungszeit ab. Es gibt den sofort wirksame Salpeterstickstoff (Nitrat), das etwas langsamere Ammonium,  den noch langsameren Harnstoff und mit noch längeren Fristen Harnstoffkondensate sowie Stickstoffdünger mit umhüllten Granulaten oder mit Zusätzen von Nitrifikationshemmern.
Nitrat ist wasserlöslich und wird von den Pflanzenwurzeln aufgenommen, kann aber auch ausgewaschen werden, d.h. verlorengehen. Die anderen Formen werden im Boden mehr oder weniger schnell in die Nitratform umgewandelt. Die längste Umwandlungsfrist benötigt der organisch gebundene Stickstoff.
Bei den Phosphatdüngern spielt die Frage der Löslichkeit eine Rolle, wasserlösliches Phosphat ist pflanzenverfügbar; im Boden erfolgt jedoch bald eine Umwandlung in andere Bindungsformen, die schwerer löslich sind.
Bei Kalidüngern ist zu unterscheiden zwischen Kaliumchlorid und Kaliumsulfat. Da im Garten manche Pflanzen chloridempfindlich sind, ist die Sulfatform zu empfehlen, gegebenenfalls auch Kaliumsulfat mit Magnesium, um zugleich den Magnesiumbedarf zu decken.
Den Magnesiumbedarf kann man außer mit magnesiumhaltigen Kalisalzen mit Magnesiumsulfat decken oder mit magnesiumhaltigen Kalken.
Die Kalkdünger sind als Bodendünger zu betrachten und danach auszuwählen. Mit Ausnahme ganz schwerer Böden, bei denen zur Lockerung Branntkalk in Betracht kommt, ist die Anwendung von kohlensaurem Kalk oder kohlensaurem Kalk mit Magnesium angebracht; es gibt eine Reihe anderer Kalke mit ähnlicher Wirkung.

Organisch oder mineralisch düngen?

Die Pflanze unterscheidet bei der Aufnahme der Nährstoffe nicht danach, ob diese vorher in organischer Bindungsform vorlagen oder nicht.
Man kann sowohl organische als auch mineralische Düngemittel zur Düngung verwenden. Bei gleicher Dosierung –richtige Menge zur richtigen Zeit- wird man keinen Unterschied in den erzeugten Produkten feststellen können. Ein Verzicht auf Mineraldünger, wie er von interessierter Seite verlangt wird, hat keinen grundlegenden Einfluß auf die Qualität der Erzeugnisse.
Düngung und Qualität werden oft in Verbindung gebracht. Vorweg ist zu bedenken, daß viele Faktoren mitspielen. In der geernteten Pflanze können nur Stoffe enthalten sein, die im Boden vorhanden waren; im Falle der Nährstoffe heißt das, eine Pflanze wird beispielsweise einen niedrigen Magnesiumgehalt haben, wenn der Boden daran verarmt ist und keine Düngung erfolgte. In der Praxis werden Mangelerscheinungen heutzutage nur noch vereinzelt  vorkommen, sind bei einzelnen Stoffen aber nie auszuschließen.
Bei Stickstoff wird ein Mangel kleinere Früchte zur Folge haben, ein Überschuß kann zu massigen Blättern und Früchten führen, die schlecht haltbar sind und oft auch nicht den erhofften Geschmack haben. Alles kommt auf die optimale Versorgung an. Dabei ist jede Kultur bzw. Gemüseart nach ihren spezifischen Eigenschaften zu beurteilen. So haben zum Beispiel die meisten Kohlarten einen hohen, Sellerie, Porree, Spinat einen mittleren und Bohnen und Kopfsalat einen geringen Stickstoffbedarf.
Wer einen zu hohen Nitratgehalt in Gemüse oder in Salaten fürchtet, sollte das Stickstoff-angebot reduzieren. Reifezeit und Belichtung beeinflussen den Nitratgehalt ebenfalls.

Allgemeine Punkte der Düngung

  1. Wichtig sind die im Boden vorhandene Nährstoffe und ihre Verfügbarkeit zum Zeitpunkt des Bedarfs der Pflanzen. Die Düngung ist hierbei eine Ergänzung.
  2. Der konkrete Bedarf der Pflanzen im jeweiligen Wachstumsstadium ist im Auge zu behalten. Mangel oder Überschuß an Nährstoffen, z. B. im Jugendstadium oder in späteren Phasen können die Pflanzen und Früchte erheblich verändern.
  3. Die Verfügbarkeit der Nährstoffe, d.h. ihre Löslichkeit zum richtigen Zeitpunkt, hängt nicht nur von der Düngung ab, sondern von chemischen, physikalischen und biotischen Vorgängen im Boden, wobei Wärme, Feuchtigkeit und Bodengare mitspielen.
  4. Eine sachgerechte Düngung bedarf einiger Kenntnis und Erfahrung. Während man im Ackerbau und  im Erwerbsgartenbau sich regelmäßig durch Bodenuntersuchungen über die Vorräte im Boden informiert und mittels vieler Versuche über den Nährstoffentzug der verschiedenen Kulturen während des Wachstums unterrichtet ist, fehlt dies im Hausgarten aus praktischen Gründen weitgehend. Hier werden auf kleiner Fläche vielerlei Kulturen mit unterschiedlichen Ansprüchen angebaut. Über die Versorgung des Bodens mit Phosphat, Kali und Magnesium sowie die Bodenreaktion (Säuregrad) sollte man sich jedenfalls durch eine Bodenuntersuchung bei einer Anstalt Klarheit verschaffen. Das braucht nicht jährlich geschehen. Möglicherweise braucht man danach für einige Jahre bestimmte Nährstoffe nicht zuführen, kann z. B. auf Phosphat verzichten.
  5. Die Bemessung der Stickstoffdüngung ist am schwierigsten. Im Feldanbau kennt  man in etwa die Entzugsmengen der Feldfrüchte und beschafft sich vor der Vegetation durch eine gezielte Untersuchung  Kenntnis über den Gehalt an mineralischem Stickstoff im Boden. Auch hier muß man die Nachlieferung durch Mineralisierung  im Verlauf der Vegetation abschätzen, wobei aber die Erfahrung durch Ergebnisse von Versuchsfeldern unterstützt wird. Im Hausgarten kann man nur grob die mögliche Stickstoffnachlieferung  abschätzen und kennt hoffentlich in etwa auch den Bedarf der einzelnen Kulturen. Ein guter Gärtner baut hierbei auf seine Beobachtungen und einschlägige Fachschriften. Die auf den Verpackungen der Handelsdünger angegebenen Richtwerte für Anwendungsmengen bieten ebenfalls einen Anhaltspunkt. Je nach persönlicher Einstellung und erwartetem Ertrag orientiert man sich dann an der unteren oder oberen Grenze der angegebenen Spannen.

Düngung in der Praxis

  1. Neben der Frage des richtigen Komposteinsatzes ist die Wahl geeigneter Handelsdünger im Gartencenter bedeutsam. Ob mineralisch, organisch oder organisch-mineralisch, man sollte neben dem Preis weniger auf die Werbung, sondern vor allem auf die Angaben über den Inhalt an Nährstoffen achten. Diese erfolgen in Gewichtsprozenten, daneben gibt es Hinweise auf die Nährstofformen und bei Phosphat auf die Löslichkeit. Kennt man in etwa den Bedarf seiner Kulturen und die  Größe der Anbaufläche läßt sich die erforderliche Menge überschlagen. (Enthält beispielsweise ein Düngemittel 10 % Stickstoff (N) so ergibt sich bei einer gewünschten Gabe von 5 g N  pro qm eine Düngermenge von 50 g / qm.)
  2. Der Bedarf der Pflanzen, der Nährstoffentzug aus dem Boden, läßt sich im Garten nur schätzen. Von Fachautoren werden u.a. bei durchschnittlichem Gemüseertrag je Quadratmeter genannt: 3 g Phosphat (P2 O5 ), 15 g Kali (K 2 O), 1 g  Magnesium   (MgO ).  Bei Stickstoff liegen die Zahlen höher etwa bei 10-25 g.
  3. Es vereinfacht die Sache, wenn man zu Mehrnährstoffdüngern greift, in der Regel solche mit Stickstoff, Phosphat und Kali, die es in unterschiedlichen Gehaltshöhen gibt. (Ein Beispiel: NPK-Dünger mit Magnesium und Spurennährstoffen). Hierbei ist aber Voraussetzung, daß der Boden bereits durchschnittlich mit Nährstoffen versorgt ist.
  4. Bei der Berechnung der Stickstoffmenge sind die aus der Mineralisierung im Boden erwarteten Mengen abzuziehen. Das ist insofern schwierig, als er Witterungsverlauf nicht vorhersehbar ist. Bei warmer, feuchter Witterung können die Mengen höher sein, es kann aber bei starken Niederschlägen auch zu Nitratverlusten kommen, was  dann zu Mangel führt. Deshalb kann es sich lohnen,  im Laufe der Vegetation  reine Stickstoffdünger in kleineren Gaben einzusetzen. Hierbei kann man vorteilhaft auf Dünger mit mehreren Stickstoffformen zurückgreifen, die schnell und nachhaltig wirken, z. B. auf solche mit Nitrat, Ammonium und Harnstoffkondensaten oder vielleicht noch besser auf Düngemittel mit einem hohem Ammoniumanteil, denen ein Nitrifikationshemmer zugesetzt ist.
  5. Zeitpunkt der Düngung: Für Phosphat, Kali und Magnesium empfiehlt sich das Frühjahr; vor der Aussaat können die Körner noch eingearbeitet werden. Bei Stickstoff sind  bei vielen Kulturen kleine Teilgaben angebrachter. Die erste Gabe soll den Start erleichtern, der Hauptbedarf liegt jedoch während des Hauptwachstums der Pflanze. Zu späte Stickstoffgaben sind nachteilig und erschweren die Reife. Bei Erdbeeren beispielsweise soll man im Frühjahr sehr zurückhaltend sein. Bei Rosen andererseits empfiehlt sich eine Frühjahrsgabe und eine zweite Gabe im Sommer. Es kommt somit immer auf die einzelne Kultur an, ihren Wachstumsrythmus und natürlich die Höhe des Ertrages.

siehe auch:

Das Düngemittelrecht, Georg Embert und Günter Kluge
Landwirtschaftsverlag, ISBN 978-3784327600
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